See für alle

Zuhörerei: Notiz Nummer 104

„Ich rudere seit 24 Jahren auf dem Greifensee“, erzählt mir die Frau die sich von der Musik am H2U Openair mitreissen lässt. „Ich liebe Bewegung, mindestens einmal in der Woche fahre ich raus. Im Vergleich zum Zürichsee ist der Greifensee viel ruhiger, ganz unverbaut, das ist traumhaft. Ich kenne den See wie meine eigene Hosentasche, jedes Büschel Schilf, jedes Boot, jede Boje. Und doch kenne ich ihn auch überhaupt nicht. Es braucht nur eine Spur Nebel und ich weiss nicht mehr, wo die Bojen sind.

Der See ist jeden Tag anders. Aber jeden Tag ist es wohltuend. Die Dichte auf dem See hat allerdings gewaltig zugenommen. Ich kann es verstehen: Das Baden, das Schwimmen, das Stand-Paddeln, das Rudern, all das ist sehr attraktiv und es macht vor allem Spass. Manchmal kommt man sich aber jetzt leider in die Quere. Und dann gibt es auch ungeduldige und gehässige Töne. Das ist schade.

„Also ist es nicht nur fordernd, eine Stadt für alle zu gestalten, sondern auch den See gemeinsam zu nutzen?“, frage ich die Ruderin.“ Sie nickt und sagt: „Meine Rudersaison beginnt deshalb eigentlich erst jetzt, im September und dauert bis in den Mai. In dieser Zeit habe ich schön meine Ruhe.“

Beatrice Stebler, notiert in der Zuhörerei auf dem Zeughausareal am H2U Openair.

Nahaufnahme von der Oberfläche des Greifensees

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