Rolf und Röné

Zuhörerei: Notiz Nummer 99

Ich gewinne zwei Männer mit den gleichen Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen für  ein angeregtes Zuhörerei- Gespräch. Die beiden reden entspannt auf den designten Openair-Sitzkissen mit dem Slogan «Chunnsch au?». 

«Nei, mir sind nicht 0815», klingt es unisono aus den zwei heiteren Männerkehlen. Tatsächlich: die beiden Männer fallen optisch auf, verschwinden nicht in der Masse.

«Ich habe mich wie jedes Jahr beim Aufbau der H2U nützlich gemacht. Ich besitze weder Internet, Handy noch kommuniziere ich über Plattformen wie Facebook», sagt Rolf entschieden. «Dadurch vermeide ich Stress, gewinne mehr Zeit und werde weniger abgebrüht. Wenn ich zum Beispiel in der Tagesschau ganz bewusst Bilder zur aktuellen Situation am Hafen von Beirut sehe, dann macht das etwas mit mir.»

Röné: Meine bunten Kleider haben sich in der Stadt herum gesprochen. Trägst du als Mann zum Beispiel orange Hosen, wirst du automatisch stadtbekannt. Ich habe grosses Glück, dass ich im Lot wohnen kann. Die Siedlung ist ausserordentlich. In Uster gibt es viele tolle Menschen. Ich liebe das kulturelle Leben und bin grundsätzlich offen für Veränderungen.

An meinem Geburtstag habe ich eine private Zuhörerei arrangiert. Ich setzte mich in meinem Wohnzimmer etwas abseits auf einen Stuhl und motivierte meine Gäste, mir alle Fragen zu stellen, die ihnen unter den Fingernägeln brannten.  Ergeben haben sich berührende, interessante Gespräche und ich genoss die Möglichkeit, mit allen zu kommunizieren.»

Auf eine der Fragen, die ich in der Zuhörerei den Menschen stelle, wird Rolf nachdenklich. „Wer wird in Uster abgeschoben?“, frage ich ihn. Er sagt: «Es gab auch andere Zeiten in meinem Leben. Ich sage es ungern, aber die Stadt Uster hatte mich während dieser schwierigen Lebensphase im Stich gelassen. Ich kannte damals noch eine Hand voll andere sozial randständige Menschen, welche einfach weggeschickt wurden.

Röné: Hätte ich einen Wunsch frei, würde ich nach wie vor ein tolles Kunstrestaurant am Greifensee bauen. Uster darf selbstbewusst auftreten. Es darf sowohl mit kleinen Juwelen als auch mit architektonischen Hinguckern strahlen. Ich bin ganz bewusst ein Kulturkonsument in der Ustermer Kunstszene. Solche muss es eben auch geben, sonst wären die vielen tollen Künstlerinnen bald in der Überzahl.

Lena Estermann, notiert in der Zuhörerei auf dem Zeughausareal am H2U Openair.

Rolf und Reneé sitzen zusammen auf einem Holzpalett am H"U in Uster. Rolf macht den Kaspar.
Rolf und Röné: Zwei Männer in Uster, die auffallen.

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