Dichten statt ärgern

Zuhörerei: Notiz Nummer 94

„Manchmal wird man überrascht“, sagt mir die Frau, die zum fünften Mal beim H2U Openair in Uster mitmacht. „Corona hat uns schnell klar gemacht, dass es dieses Jahr mit dem grossen Festival leider nichts wird. Trotzdem haben wir uns ganz kurzfristig entschieden, im kleinen Rahmen zwei H2U Sommer- Sessions durchzuführen. Neben der grossen Organisation für die Openair-Konzerte, ist die Kommunikation mit den Anwohner*innen immer sehr wichtig und sehr aufwändig Wir haben jedes Jahr viele Anwohner*innen, die reklamieren. Wir nehmen die Reklamationen natürlich ernst und führen viele Gespräche. Wir wollen ja niemanden verärgern.

Es gibt einen Anwohner, der wirklich sehr schwierig und sehr hartnäckig ist. Aber genau dieser, hat uns dieses Jahr eben überrascht. Wir waren gerade fertig mit dem Verteilen der Flyer in die Briefkästen der Anwohner*innen, da kam sein Schreiben. Für einmal kein Drohen mit der Polizei, dafür schickte er uns ein Gedicht: 30 Zeilen lang, schön gereimt, hübsch illustriert. Worte wie tolerieren und reklamieren kommen darin vor. Er schreibt, dass er für sich eine Lösung gefunden hat. Statt sich über den Lärm zu ärgern, fährt er weg.

Uns hat sein Gedicht sehr gefreut. Die Kritik bleibt ja die gleiche und ist durchaus spürbar. Und natürlich wäre es noch schöner, wenn er sich mit uns freuen könnte und mit tanzen würde. Aber immerhin hat er für sich eine gute Lösung gefunden und uns seine Lösung auf spezielle Art und Weise mitgeteilt.

Beatrice Stebler, notiert in der Zuhörerei auf dem Zeughausareal am H2U Openair.

Konzert auf dem Zeughausareal
Nicht alle Anwohner*innen freuen sich über die ausgelassene Stimmung bei den Konzerten auf dem Zeughausareal.

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