Wenn es immer weniger wird.

Zuhörerei: Notiz Nummer 92

„Es ist heftig mit anzusehen, wie es ihr immer schlechter geht“, erzählt mir eine Frau am Tisch der Zuhörerei. Samstag ist Besuchstag, fix eingetragen in der Agenda. Der Vormittag samt Mittagessen gehört ihrer Mutter. „Fast jeden Samstag kommt eine neue Einschränkung dazu. Etwas, was vor einer Woche noch gegangen ist, ist unwiederbringlich weg. Ich sehe, dass das meine Mutter traurig macht. Sie hat alles im Haus anpassen lassen: Treppenlift, Sitzdusche, überall Handgriffe an den Wänden, damit sie solange wie möglich im Haus bleiben kann. Ich weiss nicht, wie lange das alles noch so möglich sein wird. Und dann ist sie oft auch lange Zeiten allein. Das bedrückt mich sehr. Ich kann mir schwer vorstellen, dass ein derart eingeschränktes Leben gut sein kann. Vor allem, wenn ich danach hierhin an den See komme: Alle sind in Bewegung, die meisten in fröhlichen Gruppen: sie schwimmen, joggen, fahren Velo, versuchen sich auf dem Stehpaddel. Oder sehen Sie hier jemanden mit einem Rollator oder einem Rollstuhl?“

Beatrice Stebler, notiert in der Zuhörerei am See

Die Zuhörerei aus Puppenmöbeln: Zwei Sessel, ein Sonnenschirm und ein Tischen sind am See ausgestellt.

Nach dem Besuch bei der sehr alten Mutter gönnt sich die Tochter immer etwas frische Luft. In der Zuhörerei am See, hat sie uns davon erzählt.

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