„Am Abend siehst du, was du gemacht hast.“

Zuhörerei: Notiz Nummer 62

„Du kannst gut arbeiten, hat mir der Chef vom Wald nach meinem dreiwöchigen Praktikum gesagt“, erzählt mir der junge Mann stolz. Das Werkheim bietet seinen Bewohner*innen auch die Möglichkeit zum Forsteinsatz. Ich besuche die Truppe an ihrem Arbeitsplatz im Wald nahe der Autobahn.

„Ich liebe den Wald, den Duft nach frischem Holz. Hauptsächlich bin ich zuständig für das Zuschneiden von Holzstämmen nach Mass. Die Gärtnerei im Werkheim gibt mir die entsprechenden Aufträge. Das zugeschnittene Holz fahren wir mit dem Auto ins Geschäft. Bäume fällen mit der Motorsage dürfen wir nicht. Erst vor kurzem ist ein Mitarbeiter von einem zurückspringenden Ast an der Schulter verletzt worden. Mit dem anderen Arm hat er uns per Handy informiert. Das hat mich sehr beeindruckt. Man muss jetzt besonders vorsichtig sein, weil so viele Äste abgebrochen sind. Die Hitze des letzten Sommers hat den Bäumen sehr zugesetzt.

Ich fühle mich sehr wohl mit meinen Arbeitskollegen. Wenn ich besonders schöne Äste sehe, entdecke ich in ihnen Lebewesen mit Augen und Armen. Ich gestalte aus ihnen Figuren und stelle sie an den Wegrand. Am Abend siehst du, was du gemacht hast, das macht mich glücklich und zufrieden. Ich sehe den Bäumen gerne zu wie sie wachsen, wie sie sich verändern. Leider habe ich noch nie ein Wildschwein gesehen.

In meiner Freizeit baue ich mich auf, schaue gut auf meine Gesundheit. Das ist jetzt wichtig in der Coronazeit. Meine Mutter fehlt mir sehr. Ich darf sie jetzt nicht besuchen.“

Lena Estermann, notiert in der Zuhörerei auf Distanz beim Forsteinsatzplatz des Werkheims.

Junger Werkheimbewohner kniet im Wald auf dem Boden.

„Die Arbeit macht mich glücklich und zufrieden.“

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