„Vielleicht habe ich zuviel James Bond geschaut.“

Zuhörerei: Notiz Nummer 52

Auf einer Bank neben dem Bahnhofkiosk treffe ich N. zu einem vereinbarten Zuhöreigespräch auf Distanz. N. ist gelernter Sanitärinstallateur. Er macht sich die Beine lang und trinkt sein wohlverdientes Feierabendbier. Auf die Frage, wie er seinen Alltag auf den Baustellen während Coronazeiten erlebt, erzählt er:

„Mein Chef hat kürzlich ein grosses Haus gekauft. Zurzeit bauen wir eine grosse Wohnung in vier Wohnungseinheiten um. Wir sind jetzt gleichzeitig Gipser, Schreiner, Sanitär-  und Heizungsmonteure. Mein Chef hat vier Argusaugen, zwei vorne, zwei hinten. Alles muss perfekt sein. Service-Aufträge vom Gewerbe sind jetzt sehr entspannt. Die Gebäude sind leer, niemand ist da. Du kannst deine Arbeit in aller Ruhe erledigen. Lärmemissionen spielen keine Rollen. Bei Privataufträgen schütteln wir keine Hände, halten Distanz und die nötigen Desinfektionsmittel haben wir immer dabei. Während wir die Serviceaufträge erledigen, verschwinden die meisten Kunden aus Angst angesteckt zu werden in ihren Privaträumen. Ich bin sehr froh, einen geregelten Arbeitsablauf zu haben, freue mich am Abend umso mehr auf meine freie Zeit. Oft game ich mit meinem Arbeitskollegen oder koche mit meiner Freundin ein schönes Abendessen. Ich brauche eine Struktur, sonst werde ich faul und unzufrieden. Ich glaube nicht, dass die Menschen nach Corona etwas dazugelernt haben. Manchmal beschleicht mich ein wenig die Angst, jemand würde jetzt extra ein neues Virus in die Welt setzen, die Grenzen dicht machen und das Gegenmittel nur für sich alleine behalten.“ N. lacht jetzt und meint: „Vielleicht habe ich auch zu viel James Bond geschaut.“

Lena Estermann, notiert in der Zuhörerei auf Distanz

Sanitäre Leitung in eienr Wohnung
Arbeiten auf der Baustelle – in Zeiten von Corona ist der junge Sanitärinstallateur froh, einen geregelten Arbeitsablauf zu haben.

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