„Wir arbeiten Hand in Hand.“

Zuhörerei: Notiz Nummer 48

„Ich sitze seit einer Stunde unbeweglich wie eine Eidechse in der Sonne auf meinem Balkon und lade meine Batterien neu auf“, sagt die quirlige Stimme am anderen Ende des Telefons. Die junge Frau arbeitet in einem Heim für körperlich und geistig beeinträchtigte Menschen zwischen 25 und 65 Jahren:  „Die Wohngruppe ist jetzt auch Produktionsstätte. Wir ziehen alle am gleichen Strick, arbeiten Hand in Hand. Die Grenzen werden fliessend. Die Fachfrau aus der Holzwerkstatt unterstützt uns zum Beispiel bei der Morgentoilette. Wir helfen einander, wo wir können, tauschen unser Fachwissen aus. Daraus wachsen ganz neue Ideen. Wenn sich Arbeitsabläufe entschleunigen, dann haben wir mehr Zeit für die einzelnen Bewohnerinnen. Das ganze Personal trägt Schutzmasken. Die Bewohnerinnen lernen richtiges Händewaschen und auch Abstand einhalten muss täglich geübt werden. Zurzeit baue ich mit zwei Mitbewohnern ein Holzgestell für Pflanzen und Kissen. Das ist neu und anregend und macht uns allen Spass. Unser Bewohner Reto freut sich riesig, dass er übers Wochenende im Heim bleiben darf. Moira denkt, es ist Ferienzeit und will den ganzen Tag im Pyjama chillen. Luca betrachtet sich immer wieder im Spiegel und findet seine Maske cool. Ich habe keine Angst, angesteckt zu werden. Ich bin manchmal eher in Sorge, dass ich den Virus ins Heim übertragen könnte.  Wir sind Helfer und Helferinnen in Notsituationen rund um die Uhr. Eine grössere Wertschätzung und bessere Entlöhnung wäre eine schöne Geste für die Zukunft.“

Lena Estermann, notiert in der Zuhörerei auf Distanz am Telefon

Bauplan für den Bau von einem Holzgestell
Zeit für Aussergewöhnliches: Zusammen mit den Bewohnern soll ein spezielles Holzgestell für Pflanzen und Kissen entstehen.

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