«Das Leben läuft mir nicht davon.»

Zuhörerei: Notiz Nummer 45

„Meine Mutter schickt mir jetzt oft ein Paket mit Süssigkeiten“, erzählt Nico am Telefon. Seit 10 Jahren lebt er im Wagerenhof. Jetzt während Corona ist er abgeschottet vom öffentlichen Leben. Keine Besuche von aussen. Keine Besuche am Wochenende zu Hause. „Meine Mutter vermisst mich sehr. Sie möchte mich sehen. Ich sage mir, es ist ja nicht für immer so. Ich kann das gut durchstehen.“ Normalerweise arbeitet der junge Mann im Wagi in der „Backstube“ und in den Dienstleistungen. Normalerweise. Jetzt kommen die Betreuer*innen auf die Wohngruppe und bieten ein Programm an. „Oft gehen wir in den Wald, machen Feuer, spazieren. Den Betreuern fällt immer etwas ein. Ich merke, wie sich viele Bewohner stärker zurück ziehen. Ich versuche andere zu unterstützen. Zwei ältere Damen aus meiner Wohngruppe führe ich jetzt gern auf dem Gelände spazieren. Das sorgt für uns alle für ein wenig Abwechslung. Das schätzen sie. Viele verstehen hier auch gar nicht recht, was Corona eigentlich ist. Ich kann zwar nicht lesen und nicht schreiben, aber ich kann es verstehen.“ Einmal die Woche arbeitet der junge Mann eigentlich auch in der Stadtbibliothek Uster. „Ich hatte schon die Schuhe angezogen, war parat für die Bibliothek, als man mir erklärte, dass das wegen dem Corona Virus leider nicht möglich sei. Das war vor drei Wochen. Da war ich zuerst schon enttäuscht. Aber jetzt habe ich mich daran gewöhnt. Ich bin sicher, es läuft mir nicht davon. Ich werde wieder hingehen können und darauf freue ich mich.“

Beatrice Stebler, notiert in der Zuhörerei auf Distanz am Telefon.

„Mir geht es gut – auch wenn ich nicht aus dem Wagi hinaus gehen kann“, sagt der junge Bewohner des Wagerenhof

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