„In Syrien ist es noch viel bedrohlicher.“

Zuhörerei: Notiz Nummer 44

„Am Anfang machte mir Corona keine Angst“, sagt mir die junge Mutter. „Dann, als die Schulen zugingen, ist die Angst grösser geworden.“ Die Frau lebt seit vier Jahren mit ihrer Familie in Uster. Sie sind hierhin geflüchtet – aus Syrien, weg vom Krieg. Ihre älteren Kinder, 16 und 14 Jahre, gehen nur noch ganz selten nach draussen. Sie haben Angst vor Ansteckung: „Der Lehrer hat ihnen zwar erklärt, dass sie schon nach draussen gehen dürfen, aber sie wollen nicht.“ Der kleinere Junge, er ist 10 Jahre alt, geht noch am meisten an die frische Luft. „Hier haben wir es gut. Es gibt Ärzte, Spitäler. In Syrien, wo meine Eltern leben, ist es anders. Meine Eltern leben allein, draussen auf dem Land an der türkischen Grenze. Sie leben von den Schafen. Meine Mutter hat Herzprobleme. Ich habe grosse Sorgen um sie. Sie hat mir erzählt, dass eine Bekannte, die auch Herzprobleme hat und zur Kontrolle musste, gar nicht mehr ins Spital hinein gelassen wurde. Wenn die Ärzte selber Angst haben, macht  mir das noch mehr Angst als das Virus selber. Ich kann mit meine Eltern telefonieren, aber nur selten. Sie haben nicht immer Strom. Bloss zwei Stunden am Tag. Es ist sehr bedrückend. Letzte Nacht habe ich nur von Corona geträumt.“

Beatrice Stebler, notiert in der Zuhörerei auf Distanz am Telefon

Selbstgebackenes Fladenbrot. „Ich muss zuhause etwas Sinnvolles tun“, sagt die junge Mutter aus Syrien.

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